Das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist.

Kolosser 1:26

Das schimmernde Licht der ersten Verheißung. – Abrahams Verheißung. – Die Hoffnung verzögert. – Das Geheimnis beginnt am Pfingsttag sich zu entfalten. – Worin das Geheimnis besteht. – Warum solange geheim gehalten? – Für die Welt noch immer ein Geheimnis. – Es wird in bestimmter Zeit allen offenbar gemacht werden. – Wann das Geheimnis vollendet sein wird.

Während die Menschheit unter der Zucht des Bösen stand und ihre Notwendigkeit nicht begriff, verkündete Gott ihr wiederholt seinen Ratschluss, sie durch einen zukünftigen Erlöser wiederherzustellen und zu segnen. Aber wer dieser Befreier sein sollte, war viertausend Jahre lang ein Geheimnis, und erst nach der Auferstehung Christi, im Anfang des christlichen Zeitalters, fing es an, deutlich geoffenbart zu werden.

Auf die Zeit zurückblickend, da durch unsere ersten Eltern Leben und Paradiesesglück verloren gegangen waren, sehen wir unter der gerechten Strafe der Sünde das Leben voll Kummer und ohne einen anderen Hoffnungsstrahl, als den, der von dem Paradieseswort gewonnen werden konnte, dass der Weibessame der Schlange den Kopf zertreten sollte. Obgleich dasselbe für uns im Lichte darauffolgender Entfaltungen voller Bedeutung ist, war es für jene Zeit doch nur ein schwach schimmerndes Licht. Fast zweitausend Jahre vergingen, ohne dass irgendein Anzeichen einer Erfüllung gewährt wurde.

Ungefähr zweitausend Jahre später berief Gott Abraham und gab ihm die Verheißung, dass sein Same alle Geschlechter der Erde segnen sollte. Das sah aus, als ob Gott an seinem früheren Ratschlusse noch festhalte, und dass er jetzt dabei war, ihn zu erfüllen. Die Zeit verging; das verheißene Land Kanaan war noch nicht in seinem Besitz; Abraham und Sarah waren alt geworden und hatten noch keinen Nachkommen. Abraham dachte, er müsse Gott irgendwie helfen, sein Versprechen zu erfüllen, so wurde Ismael geboren. Aber seine Hilfe war nicht nötig, denn in fest bestimmter Zeit wurde Isaak, das Kind der Hoffnung und Verheißung, geboren. Jetzt schien es, dass der verheißene Herrscher und Segner der Völker gekommen wäre. Doch nein, Jahre vergingen und Gottes Verheißung schien nicht einzutreffen, denn Isaak starb und sein Erbe, Jakob, ebenfalls. Aber der Glaube einiger Weniger hielt trotzdem an der Verheißung fest und wurde von Gott erhalten, denn des Bundes, „den er gemacht hatte mit Abraham“, wurde von Gott gedacht „und seines Eides an Isaak. Und er stellte ihn Jakob zur Satzung, Israel zum ewigen Bund.“ (1. Chron. 16:16, 17)

Beim Tod Jakobs wurden seine Nachkommen zum ersten Mal die zwölf Stämme Israel genannt, und von Gott als „auserwählte Nation“ anerkannt (1. Mose 49:28; 5. Mose 26:5), und die Erwartung, dass dieses Volk in seiner Gesamtheit als der Same Abrahams Kanaan besitzen und die Welt beherrschen und segnen sollte, schien am Vorabend ihrer Verwirklichung zu stehen, denn unter der Begünstigung in Ägypten waren sie schon zum starken Volk geworden. Aber die Hoffnung war beinahe gescheitert und die Verheißung fast vergessen, als die Ägypter sie nahezu vierhundert Jahre als Sklaven behandelt hatten.

Wahrlich, Gottes Verheißungen waren in geheimnisvolles Dunkel gehüllt, und seine Wege schienen unerforschlich. Jedoch in fest bestimmter Zeit kam Mose, der großer Erlöser, durch dessen Hand Gott sie aus der Knechtschaft führte und mächtige Wunder verrichtete. Vor dem Einzug in Kanaan starb dieser große Befreier; aber als Prophet Gottes erklärte er: „Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir.“ (5. Mose 18:15; Apg. 3:22) Dies gewährte einen weiteren Einblick in Gottes Plan, indem es zeigte, dass in dem zukünftigen Werk des Regierens und Segens nicht nur ihr Volk, als Ganzes, in irgendeiner Weise beteiligt sein sollte, sondern dass ein aus ihnen Erwählter sie zum Sieg und zur Erfüllung der Verheißung führen sollte. Dann wurde Josua, dessen Name Erlöser oder Heiland bedeutet, ihr Führer, und unter ihm errangen sie große Siege und betraten tatsächlich das in dem Bunde verheißene Land. Gewiss schien es jetzt, als ob der wahre Führer gekommen sei, und als ob die Verheißung auf dem Punkte vollständiger Erfüllung stehe.

Aber Josua starb, und als Volk machten sie keinen Fortschritt, bis ihnen David und dann Salomo als Könige gegeben wurden. Damit erreichten sie den Höhepunkt ihrer Herrlichkeit; aber schon bald wurden sie, statt die Verheißung erfüllt zu sehen, ihrer Macht wieder beraubt und anderen Nationen steuerpflichtig. Sie hielten jedoch die Verheißung Gottes fest und schauten nach dem großen Erlöser aus, dessen Vorbilder Mose, Josua, David und Salomon gewesen waren.

Um die Zeit, da Jesus geboren wurde, war jedermann in Erwartung des Messias, dem kommenden Königs Israels, und durch Israel des Königs der Welt. Aber Israels Hoffnung auf die Herrlichkeit und Ehre ihres kommenden Königs ließ sie (von seiner Größe und Macht erfüllt, wie sie waren, durch die Vorbilder und Prophezeiungen) eine Reihe Vorbilder und Prophezeiungen übersehen, die auf ein Werk des Leidens und des Todes als Lösegeld für die Sünder hinwiesen, das notwendig sei, ehe der Segen kommen könne. Vorgebildet war dies in dem Passahlamm, ehe sie aus Ägypten erlöst wurden; ferner in dem Töten der Tiere beim Geben des Gesetzesbundes (Hebr. 9:11-20; 10:8-18), und in den Versöhnungsopfern, die beständig, Jahr für Jahr, von der Priesterschaft verrichtet wurden. Sie übersahen auch die Aussagen der Propheten, „die zuvor bezeuget die Leiden, die in Christo sind, und die Herrlichkeit danach“ (1. Petr. 1:11). Als daher Jesus als da Opferlamm kam, erkannten sie ihn nicht; sie erkannten nicht die Zeit, in welcher sie heimgesucht wurden (Luk. 19:44). Auch seine unmittelbaren Nachfolger wurden schwer verwirrt, als Jesus starb; und traurig sagten sie: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle.“ (Luk. 24:21) Es schien, als ob ihr Vertrauen auf ihn schlecht gelohnt würde. Sie sahen nicht, dass der Tod ihres Führers, als teilweise Erfüllung der Bundesverheißung, die Bestätigung des neuen Bundes war, unter dem die Segnungen kommen sollten. Ihre verwelkte Hoffnung begann jedoch wieder aufzuleben, als sie erfuhren, dass er aus dem Grab auferstanden war (1. Petr. 1:3), und als er im Begriff war, sie zu verlassen, fragten sie ihn in Bezug auf ihre lang ersehnte und oft verzögerte Hoffnung: „Herr, wirst du auf diese Zeit wiederaufrichten das Reich Israel?“ Dass ihre Hoffnung in der Hauptsache richtig war, wenn sie auch die Zeit nicht wissen sollten, wann sie erfüllt werden würde, ist aus der Antwort des Herrn klar. Er sagte ihnen: „Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat.“ – Apg. 1:6, 7

Welche Wendung hat Gottes Plan nun genommen? muss die Frage der Juden gewesen sein, als Jesus aufgefahren war; denn wir müssen bedenken, dass Jesu Lehre hinsichtlich des Königreiches in erster Linie in Gleichnissen und dunkeln Aussprüchen bestand, und dass er zu ihnen gesagt hatte: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen; wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten.“ Jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh. 16:12,13; 14:26) Demgemäss konnten sie es also vor dem Kommen des Pfingstsegens nicht verstehen.

Selbst dann noch dauerte es einige Zeit, bis sie ein klares, volles Verständnis des zu verrichtenden Werkes und seines Verhältnisses zu dem ursprünglichen Bund erhielten (Apg. 11:9; Gal. 2:2, 12, 14). Trotzdem scheinen sie als Gottes Mundstücke gebraucht worden zu sein, auch ehe sie alles voll und klar verstanden hatten, und ihre inspirierten Worte enthielten möglicher Weise klareren und tieferen Ausdruck der Wahrheit, als sie sich selbst bewusst waren. Lese Jakobus Rede, in der er sagt: „Simon hat erzählt, wie es Gott zuerst gefallen, aus den Heiden ein Volk zu erwählen für seinen Namen (eine Braut).“ Und hiermit stimmen überein die Aussprüche der Propheten, so wie geschrieben steht: „Nach diesem (wenn jenes Volk aus den Nationen herausgenommen worden ist) werde ich mich wieder (den Juden) zuwenden, und wieder erbauen die verfallene Hütte Davids und wieder erbauen ihr Zerstörtes, und sie aufrichten.“ (Apg. 15:14-16)

Jakobus begann in Gottes Vorsehung zu lesen, dass er in der Sendung des Evangeliums durch Petrus zu dem ersten aus den Nationen Bekehrten, und durch Paulus zu den Nationen im allgemeinen, anzeige, dass während dieses Zeitalters gläubige Juden wie Gläubige aus den Nationen gleich begnadigt werden sollten. Dann schaute er in den Prophezeiungen und fand: so steht es geschrieben; und dass, nach dem das Werk dieses Evangeliums-Zeitalters vollendet ist, dann dem fleischlichen Israel die Verheißungen werden erfüllt werden. Nach und nach fing das seither verborgen gewesene große Geheimnis an, von einigen wenigen, den Heiligen, den besonderen „Freunden“ Gottes, verstanden zu werden..

Dieses Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, nun aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist, erklärt Paulus Kol. 1:27, sei

„Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“

Das ist das große Geheimnis Gottes, das von allen vorhergehenden Zeitaltern her verborgen gewesen und noch allen verborgen gewesen ist, mit Ausnahme eines besonderen Häufleins von Heiligen oder geweihten Gläubigen (Röm. 12:1). Aber was heißt „Chri­stus in euch“? Wir haben gelernt, dass Jesus mit dem Heiligen Geist gesalbt war (Apg. 10:38), und so erkennen wir in Ihm den Christus – den Gesalbten; denn das Wort Christus bedeutet gesalbt. Und der Apostel Johannes sagt, dass die Salbung, die wir, geweihte Gläubige, empfangen haben, in uns bleibet (1. Joh. 2:27). So sind also die Geheiligten dieses Zeitalters des Evangeliums eine gesalbte Schar – gesalbt zu Königen und Priestern vor Gott (2. Kor. 1:21; 1. Petr. 2:9); und zusammen mit Jesus, ihrem Haupt und Herrn, machen sie Jehovas Gesalbten – den Christus – aus. (1. Kor. 12:27; Röm. 12:5; Apg. 15:14)

In Übereinstimmung mit der Lehre des Johannes, dass auch wir gesalbt sind, versichert uns Paulus, dass dieses Geheimnis, das in vergangenen Zeitaltern geheim gehalten, aber jetzt den Geheiligten geoffenbart worden ist, das ist, dass der Christus (der Gesalbte) „nicht aus einem Glied besteht, sondern aus vielen“, gerade wie der menschliche Leib einer ist und hat doch viele Glieder; alle Glieder des Leibes aber, wiewohl ihrer viele sind, sind doch nur ein Leib, also ist auch der Gesalbte – der Christus. (1. Kor. 12:12-28). Jesus ist gesalbt zum Haupt oder Herrn über die Kirche, die da sein Leib, in einem anderen Bild sein Braut (Eph. 5:25-30), und zusammengenommen machen sie den verheißenen „Samen“ – den großen Erlöser – aus: „Wenn ihr aber Christus seid, dann seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheißung Erben.“ (Gal. 3:29)

Der Apostel warnt die Herauswahl sorgfältig gegen irgendwelche anmaßenden Gedanken, indem er von Jesu sagt, dass, Gott „hat alle Dinge unter seine Füße getan, und ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib…auf dass er in allen Dingen den Vorrang habe.“ (Eph. 1:22; Kol. 1:18) Dennoch zeigt er unter dem Bild des menschlichen Leibes herrlich und treffend unser inniges Verhältnis zu ihm. Dieselbe Einheit lehrte Jesus auch, als er sagte: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ (Joh. 15:5)

Unsere Einheit mit Herrn Jesu, als Glieder des Christus, der gesalbten Schar, wird treffend durch die Figur einer Pyramide veranschaulicht.

Die Spitze (der Schlusseckstein) ist eine vollkommene Pyramide in sich selbst, andere Steine mögen darunter aufgebaut werden, und wenn in Harmonie mit allen charakteristischen Linien des Schlussecksteins, so wird die ganze Masse eine vollkommene Pyramide sein. Wie treffend veranschaulicht dies unsere Stellung als Glieder „des Samens“ – „des Christus.“ Mit unserem Haupt verbunden und in vollkommener Harmonie mit ihm, sind wir als lebendige Steine vollkommen; getrennt von ihm sind wir nichts.

Jesus, der eine Vollkommene, ist hoch erhöht worden, und wir übergeben uns nun ihm, dass wir nach seinem Vorbild geformt und gebildet und als ein Haus Gottes aufgebaut werden möchten. Von einem gewöhnlichen Haus kann man nicht eigentlich sagen, es habe, „einen Haupt oder – Eckstein“, aber in unserem Haus befindet sich ein besonderer Eckstein, der Stein an der Spitze, wie geschrieben steht: „Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten und kostbaren“ – „zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein … werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen (Das sinaitische Manuskript lässt „geistlich“ vor „Opfer“ aus) Schlachtopfer, Gott wohl annehmlich durch Jesum Christum.“(1. Petr. 2:4-6) Und sehr bald, der Zuversicht sind wir, wird die Vereinigung zwischen Jesus, dem „Haupt“, und „der Kirche“, „die da ist sein Leib“, zustande gebracht sein.

Und, Geliebte, mancher Hiebe und viel Polierens bedarf es: unter der Leitung des großen Meisterbildners muss an uns gar viel umgebildet und seinem Vorbild nachgeformt werden; und damit die Meisterschaft und Sinnesart des Bildners sich in uns entfalten kann, haben wir gar nötig, zuzusehen, dass wir keinen eigensinnigen, der Ausführung Seines Willens in uns sich widersetzenden Willen haben. Kinderähnlich und gar demütig müssen wir werden – „festhalten an der Demut; denn Gott widerstehet dem Hoffartigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade“. „Lasst uns daher uns demütigen unter der gewaltigen Hand Gottes, dass er uns erhöhe zu seiner Zeit“, wie er unser Haupt und unseren Vorläufer erhöht hat (Phil. 2:8, 9: 1. Petr. 5:5, 6).

Das ist in der Tat eine wunderbare Botschaft. Und kommen wir zum Worte Gottes, um über diese unsere große, hohe Berufung nachzuforschen, so finden wir die Propheten sehr wortgewandt in der Verkündigung der Gnade (Gunst, Segen), die auf uns gekommen ist (1. Petr. 1:10), da nunmehr Vorbilder und Gleichnisse und bisher dunkle Sprüche lichthell werden und ihr Licht auf den „schmalen Weg“ werfen, auf welchem die gesalbte (Christus-) Schar berufen ist, nach dem Kleinod, dem Preis, der jetzt eröffnet ist zu laufen. Das war wahrlich ein Geheimnis, daran niemals zuvor gedacht hat – dass Gott nicht nur einen Erlöser zu erwecken vorhatte, sondern einen aus vielen Gliedern bestehenden Erlöser. Das ist die hohe, „himmlische Berufung“, welche zu erlangen die geweihten Gläubigen des Evangeliums-Zeitalters bevorzugt sind. Jesus versuchte nicht, dies seinen Jüngern klar zu machen, solange sie noch natürliche Menschen waren, sondern er wartete, bis am zu Pfingstfest gesalbt oder zur neuen Natur gezeugt waren. Aus Paulus Erklärung erkennen wir, dass nur „Neue Schöpfungen“ jetzt diese hohe Berufung erfassen können. Er sagt: „Wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, welche Gott zuvor bestimmt hat, vor den Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit; welche keiner von den Fürsten dieses Zeitalters erkannt hat, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat es Gott geoffenbart durch (seinen) Geist.“ – 1. Kor. 2:6-14

In seinem Brief an die Galater enthüllt Paulus das ganze Geheimnis und zeigt, wie der abrahamische Bund erfüllt werden soll. Er zeigt, dass das Israel gegebene Gesetz den ursprünglichen Bund nicht aufhebt (Gal. 3:15-18), und dass der Same Abrahams, der alle Völker segnen soll, Christus ist (Vers 16). Dann den Gedanken ausführend, auf den wir schon Bezug genommen haben, dass der Christus alle vom Geist Gesalbten einschließt, sagt er: „Denn so viele euer auf (in den) Christum getauft worden sind, ihr habt Christum angezogen. … Wenn ihr Christi seid, so seid ihr denn (zusammen mit Jesu) Abrahams Same, und nach Verheißung Erben“. (Verse 3:27 und 29) Denselben Gedankengang verfolgend, zeigt er (Gal. Kap. 4), dass Abraham ein Bild Jehovas, Sarah ein Bild des Bundes der Verheißung und Isaak ein Vorbild Christi (Haupt und Leib) war, und dann fügt er hinzu: „Wir, Brüder, sind nach Art des Isaak Kinder der Verheißung.“ (Vers 3:28) So war der Plan Gottes in Sinn und Vorbildern verborgen, bis das Evangeliums-Zeitalter den Christus zu gestalten begann .

Es war gewiss notwendig, dass dieses Geheimnis verborgen so verborgen blieb, sonst würde es nicht in Erfüllung gegangen sein. Der Menschheit damals den ganzen Plan offenbart zu haben, hätte ihn vereitelt. Hätten die Menschen es gewusst, so würden sie weder den Herrn der Herrlichkeit noch die Kirche, die sein Leib ist, gekreuzigt haben (1. Kor. 2:8). Nicht nur der Tod Christi, als der Preis für des Menschen Erlösung, würde vereitelt worden sein, wenn nicht der Plan als ein Geheimnis vor der Welt bewahrt worden wäre, sondern die Prüfung des Glaubens der Kirche, als Teilhaberin an den Leiden des Christi, würde dadurch verhindert worden sein, denn „die Welt kennt uns nicht (als seine Miterben, aus demselben Grund), weil sie ihn nicht kennt“. (1. Joh. 3:1)

Nicht nur ist der Plan Gottes und der Christus, der die eigentliche Verkörperung dieses Planes ist, der Welt ein großes Geheimnis, sondern auch der besondere Weg, auf dem diese kleine Herde zu wandeln berufen ist, stempelt sie zu einem „eigentümlichen Volke“ (Titus 2:14). Es war der Welt ein Geheimnis, dass eine Person von so großen Fähigkeiten, wie Jesus, seine Zeit und seine Fähigkeiten, wie Jesus, seine Zeit und seine Talente, so wie er tat, verwenden sollte; hätte er hingegen seine Aufmerksamkeit den Staatsangelegenheiten, dem Gesetz, dem Handel oder der weitverbreiteten Religion zugewendet, dann hätte er groß und geehrt werden können. Nach Menschenmeinung hat er sein Leben unvernünftiger Weise vergeudet, und so sagten sie: „Er hat den Teufel und ist von Sinnen.“ (Joh. 10:20) Sein Leben war für sie ein Geheimnis, das sie nicht ergründen konnten.

Die Apostel und ihre Gefährten waren der Welt in gleicher Weise ein Geheimnis, da sie ihre Arbeit, ihr Geschäft, ihre irdischen Aussichten usw. daran gaben, um Vergebung der Sünden durch den Tod des verachteten und gekreuzigten Jesu zu predigen. Paulus entsagte einer hohen Stellung und gesellschaftlichen Einfluss, um mit seinen Händen zu arbeiten und von Christus und der unsichtbaren Krone für alle Gläubigen, die in seinen Fußstapfen wandeln würden, zu predigen. Das war so geheimnisvoll, dass einer sagte: „Du rasest, Paulus! die große Gelehrsamkeit bringt dich zur Raserei.“ Und alle, die so wie Paulus in des Meisters Fußstapfen nachfolgen, werden um Christi willen für Narren geachtet.

Aber Gottes Plan soll nicht immer in Geheimnis gehüllt bleiben; der Tagesanbruch des Millenniumstages bringt völligeres Licht von Gott zu den Menschen, und „die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“. (Habakuk 2:14) Die Sonne der Gerechtigkeit, die aufgehen soll, mit Heilung unter ihren Flügeln, die Finsternis der Unwissenheit zerstreuend, ist der Christus in Millenniums-Herrlichkeit, nicht das Haupt allein, sondern auch die Glieder seines Leibes, denn das ist verheißen, „wenn wir anders mitleiden, auf das wir auch mit verherrlicht werden“. „Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit“, und „dann werden die Gerechten leuchten, wie die Sonne, in dem Reiche ihres Vaters“. (Röm. 8:17; Kol. 3:4; Matth. 13:43)

Jetzt erscheinen die Verheißungen, an die wir glauben, und die Hoffnung, welche wir haben, für jedermann, ausgenommen für die durch den Empfang des „Sinnes Christi“ zu einem neuen Sinn Gezeugten, als bloße Einbildungen und zu unwahrscheinlich, als dass man sie annehmen oder gar darauf hin handeln sollte. Wenn im kommenden Zeitalter Gott „seinen Geist ausgießen wird auf alles Fleisch“, wie er ihn auch während des gegenwärtigen Zeitalters über „Knechte und Mägde“ ausgießt (Joel 2:29), dann werden in der Tat auch alle Menschen die Verheißungen verstehen und würdigen, die jetzt von der „kleinen Herde“ angenommen werden; und an dem Gehorsam und der Erhöhung der Kirche werden sie sich erfreuen und sprechen: „Lasset uns fröhlich sein und frohlocken, und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet.“ (Offb. 19:7) An der Verherrlichung der Kirche, durch welche dann Segensströme auf sie fließen werden sie sich erfreuen; und während sie tatsächlich erfahren, dass die teuren und allergrößten Verheißungen“ von dem Gesalbten (Haupt und Leib) ererbt, nicht mehr für sie bestimmt, sondern an der „kleinen Herde“ erfüllt sind, werden sie doch durch die Lektion, welche die Kirche zu lernen hatte, nachträglich profitieren und gesegnet werden. Sie werden um der Kirche willen Gott preisen, wenn sie den Segnungen nachstreben, die ihnen dann vorgehalten werden. Diese Erkenntnis wird aber nicht zum Neid anreizen, denn unter der neuen Einrichtung der Dinge wird sie ihre Berufung zu vollkommener menschlicher Natur völlig zufrieden stellen und wird ihnen wünschenswerter erscheinen als ein Wechsel in der Natur.

Dann wird das Geheimnis vollendet sein; denn die Welt wird zu der Erkenntnis kommen, dass es der Geist Gottes in Christo, und der Geist Christi in euch – Gott geoffenbart im Fleisch – war, den sie seither missverstanden hatte. Dann wird sie einsehen, dass wir nicht unvernünftig waren, sondern das beste Teil erwählten, als wir nach dem Reichtum und der Ehre der für sie zwar unsichtbaren, doch aber ewigen Krone strebten.

Was die Zeit anbetrifft, so soll das Geheimnis Gottes während des „Ertönen der siebenten (sinnbildlichen) Posaune vollendet werden.“ (Offb. 10:7) Das bezieht sich auf das „Geheimnis“ in zweifachen Sinn, in dem es gebraucht wird: „Das Geheimnis, oder die geheimen Fäden des Planes Gottes werden dann kund und offenbar sein; und ebenso das „Geheimnis Gottes“, die Kirche“, die Verkörperung dieses Planes. Beides wird dann vollendet sein. Der geheime, verborgene Plan wird die Fülle, die Gesamtzahl der Glieder des Leibes des Christi, herausgesucht haben, und also wird er, der Leib Christi vollendet sein. Und der Plan wird aufhören, ein Geheimnis zu sein, weil kein weiterer Grund, sein Geheimnis zu bewahren, vorliegt. Die Größe des so lange geheim gehaltenen und unter Verheißungen, Vorbildern und Gleichnissen verborgen gewesenen Geheimnissen und die wunderbare, denen zugedachte Gnade, die zur Teilnahme an diesen Geheimnis berufen sind (Eph. 3:9), drängt uns noch den Gedanken auf, dass das auf die Vollendung des Geheimnisses folgende Werk, für welches Jehova die Menschheit sechstausend Jahren lang in Erwartung und Hoffnung erhalten hat, ein großartiges, wunderbares Werk sein muss, ein Werk, wert solcher großen Vorbereitungen. Was mögen wir nicht an Segnungen für die Welt erwarten, wenn der Schleier des Geheimnisses weggezogen ist und die Segensströme herabfließen! Das ist es, nach dem „die ganze Schöpfung zusammenseufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt“, erwartend die Vollendung dieses Geheimnisses, die Offenbarung der Söhne Gottes, des verheißenen Samens“, in dem sie alle gesegnet werden sollen. – Röm. 8:19, 21, 22


Zion, willkommen dein seliger Morgen!
Freude dem Land, denn die Finsternis schwind’t.
Trauern verscheucht sei und Klaglaut der Sorgen!
Zion, triumphierend ihr‘ Herrschaft beginnt.

Aufstehen die Toten; vom Land und vom Meere
Lobpreis Jehovas zum Himmel aufwallt.
G’stürzt Kriegsgetümmel, des Aufruhres Heere,
Fast Firmament spreng’nder Heilsruf erschallt!