Die in der Entwicklung des göttlichen Planes bezeichneten Heilszeitordnungen und Zeitalter

Gottes Plan ein bestimmter und geordneter. – Drei große Epochen oder Heilszeitordnungen der Weltgeschichte. – Ihre unterschiedlichen Merkmale. – „Die Erde bleibt ewiglich.“ – Die zukünftige Welt, der neue Himmel und die neue Erde. – Unterabteilungen dieser großen Zeitabschnitte. – Die bedeutsamen Züge des Planes Gottes dadurch veranschaulicht. – Das Erkennen der Ordnung offenbart die Harmonie. – Das rechte Teilen des Wortes der Wahrheit.

Wie leicht kann man sich über die Geschicklichkeit und Klugheit eines großen Architekten und Baumeisters ein falsches Urteil bilden, wenn man nur sein unvollendetes Werk vor sich hat. So geht es auch gar vielen in Bezug auf Gott, wenn sie in ihrer Unwissenheit nach seinem noch unvollendeten Werke sich ein Urteil erlauben. Aber bald, wenn das Gerüst des Bösen, das zur Erziehung des Menschen zugelassen war und das ihm schließlich zum besten dienen muss, abgetragen und der Schutt hinweg geräumt worden ist, wird Gottes vollendetes Werk allen und jedem seine unendliche Weisheit und Macht verkünden, und sein Plan wird mit seinem herrlichen Wesen in voller Übereinstimmung erfunden werden.

Da Gott uns sagt, dass er einen bestimmt festgesetzten Ratschluss hat und dass all sein Vorhaben hinaus geführt werden soll, so gebührt es uns, seinen Kindern, fleißig zu forschen, was dieser Plan sein mag, damit wir mit ihm in Einklang kommen. Merke, wie nachdrücklich uns Jehova die Bestimmtheit seines Vorsatzes versichert: „Wahrlich, wie ich es vorbedacht, also geschieht es: und wie ich es beschlossen habe, also wird es zustande kommen.“ „Denn Jehova der Heerscharen hat es beschlossen, und wer wird es vereiteln?“ „Dass ich Gott bin, und sonst ist keiner, dass ich Gott bin und gar keiner wie ich.“ „Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun … Ich habe geredet und werde es auch kommen lassen; ich habe entworfen und werde es auch ausführen.“ (Jes. 14:24-27; 46:10, 11) Wie geheimnisvoll daher oder aufs Geratewohl uns Gottes Tun mit den Menschen auch erscheinen mag, so müssen doch die, die obiges Zeugnis seines Wortes wirklich glauben, zugeben, dass sein ursprünglicher und unabänderlicher Plan seiner Vollendung ordnungsgemäß entgegengegangen ist und noch geht.

Heilszeitordnungen, „Welten“ genannt

Während die große Masse der Menschheit, sich in der Finsternis der Unwissenheit befindet, auf die tatsächliche Enthüllung des Planes Gottes warten muss, ehe sie das herrliche Wesen des göttlichen Baumeisters erkennen kann, ist es das große Vorrecht des Kindes Gottes, durch den Glauben und das Licht seiner Leuchte (des Wortes Gottes), die vorher verkündete Herrlichkeit der Zukunft zu sehen und dadurch das in der Vergangenheit und Gegenwart sonst so geheimnisvoll erscheinende Tun Gottes zu begreifen. Wir wenden uns daher als interessierte Söhne Gottes und Erben eines verheißenen, herrlichen Erbteils an unseres Vaters unwandelbares Wort, damit wir seine Ratschlüsse aus dem darin niedergelegten Plane und den Einzelheiten lernen mögen. Daraus lernen wir, dass Gottes Plan in Bezug auf den Menschen drei große Zeitabschnitte umfasst, die mit der Erschaffung des Menschen beginnen und in die unbegrenzte Zukunft reichen. Petrus und Paulus bezeichnen diese Zeitabschnitte als „drei Welten“, die wir in vorhergehendem Abriss veranschaulichen.

Diese drei großen Zeitabschnitte stellen drei unterschiedliche Offenbarungen der Vorsehung dar. Der erste, von der Schöpfung bis zur Sintflut, war unter der Verwaltung der Engel wird von Petrus „die damalige Welt“ genannt. – 2. Petr. 3:6

Der zweite große Zeitabschnitt, von der Sintflut bis zur Aufrichtung des Reiches Gottes, ist unter der begrenzten Gewalt Satans, „des Fürsten dieser Welt“, und wird daher „diese gegenwärtige arge Welt“ genannt. – Gal. 1:4; 2. Petr. 3:7

Der dritte Zeitabschnitt soll als eine „Welt ohne Ende“ unter göttlicher Verwaltung – das Reich Gottes – sein und wird „die zukünftige Welt“, „in welcher Gerechtigkeit wohnt“, genannt. – Hebr. 2:5; 2. Petr. 3:13

Der erste dieser Zeitabschnitte oder „Welten“, war unter der Aufsicht der Engel, ein Fehlschlag; der zweite unter der Herrschaft Satans, des Usurpators, ist in der Tat „eine arge Welt“ gewesen; aber der dritte wird eine Zeit der Gerechtigkeit und des Segens sein für alle Geschlechter der Erde.

Die beiden letzten dieser „Welten“ werden ganz besonders erwähnt, und die Aussagen über sie sind in starkem Gegensatz zueinander. Der gegenwärtige oder zweite Zeitabschnitt wird nicht deshalb „die gegenwärtige arge Welt“ genannt, weil nichts Gutes in demselben gibt, sondern weil dem Bösen gestattet ist, zu herrschen. „Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich; nicht nur sind die Täter der Gesetzlosigkeit aufgebaut worden, sondern sie haben auch Gott versucht und sind entronnen.“ (Mal. 3:15) Der dritte Zeitabschnitt wird als „die zukünftige“ Welt erwähnt, „in welcher Gerechtigkeit wohnt“; nicht weil es kein Böses in ihr mehr geben wird, sondern weil das Böse nicht mehr herrschen wird. Das Austilgen des Bösen wird allmählich vor sich gehen und die ersten tausend Jahre erfordern, Böses wird dann nicht herrschen; es wird nicht gedeihen; der Gottlose wird nicht länger der sein, der da blüht, sondern „der Gerechte wird blühen“, und der Gehorsame „soll das gute des Landes genießen“ und die „Übeltäter“ werden ausgerottet. – Ps. 72:7; Jes. 1:19; Ps. 37:9

Dieser Beschreibung nach wird die nächste Heilszeitordnung in fast jeder Hinsicht das gerade Gegenteil von der gegenwärtigen sein. Jesu Worte zeigen, warum zwischen der gegenwärtigen und der zukünftigen Heilszeitordnung ein Unterschied bestehen wird. Er selbst wird der Fürst oder Herrscher der zukünftigen Welt sein, so dass in ihr Gerechtigkeit und Wahrheit gedeihen; während jetzt, da Satan der Fürst der gegenwärtigen, argen Welt ist, Böses gedeiht und der Gottlose blüht. „Der Fürst dieser Welt … hat nichts an mir“ – kein Interesse an Jesum und folglich auch kein Interesse an seinen Nachfolgern, ausgenommen, dass er ihnen widerstehe, sie versuche, plage und mit Fäusten schlage. (Joh. 14:30; 2. Kor. 12:7), darum müssen in dieser gegenwärtigen argen Welt „alle, die gottselig leben wollen … Verfolgung erleiden“, während der Gottlose grünet wie ein Lorbeerbaum. – 2. Tim. 3:12; Ps. 37:35

Unser Herr Jesus sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, und bis jene Zeit oder „die zukünftige Welt“ wirklich kommt, wird Christi Königreich die Erde nicht beherrschen. Wir werden belehrt, darauf zu hoffen und für dasselbe zu beten: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden“. Satan ist „der Fürst der Finsternis dieser Welt“, und daher „bedeckt Finsternis das Erdreich und Dunkel die Völker“. Zu dieser Zeit herrscht er und hat sein Werk in den Kindern des Unglaubens. – Eph. 2:2; 6:12

Ein wichtiger Teil des jetzt im Fortgang der Entfaltung befindlichen Planes des großen Baumeisters muss noch unvollendet sein, sonst würde der neue Fürst und die neue Heilszeitordnung längst eingeführt worden sein. Warum es auf eine bestimmte Zeit hinausgeschoben worden ist, und ebenso die Art und Weise, wie die gegenwärtige Herrschaft des Bösen unter Satan auf die Herrschaft der Gerechtigkeit unter Christum übergehen soll, sind Fragen von hohem Interesse, die weiter unten genauer erörtert werden sollen. Für jetzt genüge es, zu sagen, dass die Reiche dieser Welt, die jetzt Satan untertan sind, zur geeigneten Zeit die Reiche unseres Herrn und seines Christus werden sollen (Offb. 11:15). Der Zusammenhang zeigt, dass der Übergang durch eine allgemeine Zeit der Drangsal bewirkt werden wird. Hierauf sich beziehend, sagt der Herr Jesus: „Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet, und alsdann wird er sein Haus berauben.“ (Mark. 3:27) Da werden wir also belehrt, dass Satan zuvor gebunden, unschädlich gemacht, abgesetzt werden muss, ehe Christi Regierung der Gerechtigkeit und des Frieden aufgerichtet werden kann. Daher wird auch das Binden Satans, des Starken, als das erste Werk der neuen Heilszeitordnung dargestellt. – Offb. 20:2

Man sollte nicht vergessen, dass ein und dieselbe Erde die Grundlage all dieser „Welten“ oder Heilszeitordnungen bildet und, wenn auch Zeitalter vorübergehen und Heilszeitordnungen wechseln, die Erde dennoch immer fortbesteht: „Die Erde aber bleibet ewiglich.“ (Pred. 1:4) Dasselbe Bild ausführend, nennt Petrus jede dieser Perioden oder Welten besondere Himmel und Erde. Hier versinnbildet das Wort „die Himmel“ die höheren oder geistigen herrschenden Mächte, und „Erde“ versinnbildet die menschlichen Regierungen und gesellschaftlichen Ordnungen. So endeten die ersten Himmel und die erste Erde, die Ordnung und Einrichtung der Dinge der „damaligen Welt“ in der Flut, nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten. Aber die natürlichen Himmel (Sternen- und Luft-Himmel oder Firmament, Atmosphäre) und die natürliche Erde vergingen nicht; sie blieben bestehen. Ebenso wird die gegenwärtige Welt (die Himmel und die Erde) mit großem Krachen in Feuer, in Verwirrung, Drangsal und Auflösung, zerschmelzen und vergehen. Der Starke (Satan) wird eben, wenn er gebunden werden soll, alles aufbieten, seine Macht zu erhalten. Die gegenwärtige Einrichtung, oder Herrschafts- und Gesellschaftsordnung, wird vergehen, aber der physische, natürliche Himmel und die physische Erde nicht. Die gegenwärtigen Himmel oder Mächte geistiger Herrschaft müssen den „neuen Himmeln“, Christi geistiger Herrschaft, Platz machen. Die gegenwärtige Erde, die menschliche Gesellschaft, wie sie jetzt unter Satans Macht organisiert ist, muss sinnbildlicherweise schmelzen und sich auflösen, und zwar im Anfang des „Tages des Herrn“, welcher „brennen soll wie ein Ofen“ (Mal. 4:1). „Eine neue Erde“, das bedeutet eine neu organisierte Erde, im Einvernehmen mit dem neuen Fürsten der Erde, mit Christo, wird darauf folgen. Rechtschaffenheit, Friede und Liebe werden unter den Menschen herrschen, wenn gegenwärtige Ordnungen den neuen und besseren des Reiches Gottes Platz gemacht haben werden.

Dem Apostel Paulus wurde ein Blick in die „zukünftige Welt“, wie er es nennt, gegeben. Er sagt, er war „entrückt“ (ob in leiblicher oder in geistiger Weise oder in beiden, konnte er nicht sagen, so wirklich und natürlich erschienen ihm die Dinge und Vorgänge), den Strom der Zeit entlang in den neuen Zustand der Dinge, in den „neuen Himmel“, also den „dritten Himmel“. Da hörte er von Dingen reden, wie sie unter der geistigen Herrschaft Christi sein werden, Dinge, die nicht nur in Worten, „unaussprechlich“ waren, sondern die er auch nicht sagen durfte (2. Kor. 12:2-4). Zweifellos waren es dieselben Sachen, die Johannes später sah, und die ihm, der Kirche in Sinnbildern mitzuteilen, erlaubt wurden – Sinnbilder, die erst verstanden werden sollten, sobald sie fällig, an der Zeit sein würden. Johannes war bei der Offenbarung, die ihm unser Herr auf der Insel Patmos gab, in dem Gesicht durch dieses Zeitalter des Evangeliums und dessen wechselnde Begebenheiten von Kirche und Staat bis zum Ende der gegenwärtigen argen Welt oder Zeitperiode hinabgeführt worden; und da sah er im prophetischen Gesicht, wie Satan gebunden wird, Christus herrscht, und der neue Himmel und die neue Erde hergestellt sind; denn die vorigen Himmel und Erde waren vergangen. – Offb. 21:1

Zeitalter der Heilszeitordnungen

Wenden wir nun unser Augenmerk auf die Zeitalter, in welche diese großen Epochen oder Heilszeitordnungen wiederum eingeteilt sind, wie es in dem folgenden Abriss veranschaulicht ist.

Der erste dieser großen Zeitabschnitte (Welten) war, soviel wir wissen, nicht weiter eingeteilt; Gottes Art und Weise, mit den Menschen zu verfahren, war während dieser ganzen Zeit, von Adams Fall bis zur Flut, keiner Veränderung unterworfen. Gott hatte dem Menschen sein Gesetz gegeben, es in sein inneres Wesen geschrieben, aber seitdem er gesündigt hatte, überließ ihn Gott in gewissem Maße seinem eigenen Lauf, der abwärts führte, „nur böse war immerdar“; damit der Mensch so seine Torheit erkennen lernen möchte, und die Weisheit Gottes in der Forderung absoluten Gehorsams kund und offenbar würde. Diese Heilszeitordnung endete in einer Sintflut, die alle, mit Ausnahme des gläubigen Noah und seiner Familie, hinwegschwemmte. So bewies die erste Heilszeitordnung nicht allein die verderblichen Wirkungen der Sünde, sondern zeigte auch, dass der Lauf der Sünde in immer größeres Verderben und wachsendes Elend führt, und bewies die Notwendigkeit der Dazwischenkunft Jehovas, wenn die Wiedererlangung dessen, „was verloren war“ des Menschen Urzustand, je zustande kommen sollte.

Der zweite Zeitabschnitt oder die „jetzige Welt“ („die jetzigen Himmel und Erde“ – 2. Petr. 3:7) schließt drei Zeitalter ein, jedes ein weiterer Schritt in dem Plane Gottes zum Umsturz des Bösen. Jede Stufe ist höher als die vorhergehende und führt den Plan weiter, der Vollendung näher.

Der dritte große Zeitabschnitt, „die zukünftige Welt“, nach dem zweiten Advent Christi, umfasst das tausendjährige Zeitalter oder „die Zeiten der Wiederherstellung“ (Apg. 3:21) und darauffolgende andere „kommende Zeitalter“ (Eph. 2:7), deren Einzelheiten nicht geoffenbart sind. Die vorhandenen Offenbarungen handeln von des Menschen Wiederherstellung aus der Sünde und nicht von der herrlichen Ewigkeit, die folgen soll.

Das erste Zeitalter in der „jetzigen Welt“ nennen wir das patriarchalische Zeitalter, weil Gottes Tun und Gnadenerweisungen während dieser Periode sich nur auf einige Personen bezogen, während die übrige Menschheit fast ganz außer acht gelassen wurde. Diese Begünstigten waren die Patriarchen Noah, Abraham, Isaak und Jakob. Der Reihe nach scheint jeder von ihnen der Begnadigte Gottes gewesen zu sein. Mit dem Tode Jakobs endete dieses Zeitalter oder diese Verfahrensweise. Seine Nachkommen wurden bei Jakobs Tode zum erstenmal, die zwölf Stämme Israels genannt und in ihrer Gesamtheit von Gott als „sein Eigentum aus allen Völkern“ anerkannt – durch vorbildliche Opfer vorbildlicherweise „ein heiliges Volk“ abgesondert von anderen Nationen zu einem besonderen Zwecke – und hatten daher gewisse besondere Gnaden zu genießen. Die Zeit, die zur Ausführung dieses Teiles des göttlichen Planes bestimmt war, die hier anfing und mit dem Tode Christi endete, bezeichnen wir als das jüdische Zeitalter oder die Heilszeitordnung des Gesetzes. Während des jüdischen Zeitalters segnete Gott ganz besonders dieses Volk. Er gab ihm sein Gesetz; er machte einen besonderen Bund mit ihm; er gab ihm die Stiftshütte, deren Schekinah-Herrlichkeit (ein übernatürlicher, heller Schein) in dem Allerheiligsten die Gegenwart Jehovas unter ihm als seines Führers und Königs darstellte. Zu ihm sandte er die Propheten und zuletzt seinen Sohn. In seiner Mitte lehrte Jesus und verrichtete seine Wunder und ging weder zu den umliegenden Völkern, noch ließ er seine Jünger zu ihnen gehen. Er sandte sie aus und sagte: „Gehet nicht auf einen Weg der Nationen, und gehet nicht in die Stadt der Samariter; gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Und wiederum sprach er: „Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel.“ (Matth. 10:5, 6; 15:24) Dass diese nationale Begünstigung mit der Verwerfung Jesu und seiner Kreuzigung endete, wird durch die Worte Jesu angezeigt, da er fünf Tage vor seiner Kreuzigung erklärte: „Euer Haus wird euch wüste gelassen.“ (Matth. 23:38)

Da, mit Jesu Tod, begann ein neues Zeitalter, das Zeitalter des Evangeliums, die christliche Heilszeit, darin die frohe Botschaft der Rechtfertigung nicht den Juden allein, sondern allen Völkern verkündet werden sollte; denn Jesus Christus hat durch Gottes Gnade den Tod geschmeckt für jedermann. Während dieses Zeitalters des Evangeliums gibt es ebenfalls eine Schar, die zu besonderer Gnade berufen ist, der besondere Verheißungen gegeben sind. Dies sind solche, die Jesum Christum durch den Glauben als ihren Herrn und Erlöser annehmen und in seinen Fußstapfen wandeln. Die Verkündigung des Evangeliums ist nun nahezu neunzehn Jahrhunderte lang bald hier, bald dort auf Erden vor sich gegangen, so dass jetzt gesagt werden kann, es ist unter jedem Volke mehr oder weniger gepredigt worden. Es hat die Völker nicht bekehrt; es war nicht dazu bestimmt, das in diesem Zeitalter zu tun; aber es hat hier und da einige herausgesucht, im ganzen eine „kleine Herde“, wie es Jesus vorhergesagt hat. Es ist des Vaters Wohlgefallen, dieser „kleinen Herde“ in einer auf dieses Zeitalter folgenden Heilszeit das Königreich zu geben. – Luk. 12:32

Mit diesem Zeitalter endet die „gegenwärtige arge Welt.“ Und beachte wohl, dass, während Gott also zum scheinbaren Nachteile seiner Sache die Oberhand und Herrschaft des Bösen zuließ, seine erhabenen Zwecke nichtsdestoweniger ohne Unterbrechung nach einem festen und bestimmten Plane und in genauer Aufeinanderfolge der Zeitabschnitte, die er zuvor bestimmte, sich verwirklichten. Am Ende dieses Zeitalters und beim Anbruch des darauffolgenden Zeitalters des Millenniums wird Satan gebunden und seine Macht gestürzt werden, um die Aufrichtung des Königreiches Christi und den Anfang der „zukünftigen Welt, darinnen Gerechtigkeit wohnt,“ vorzubereiten.

Das Wort Millennium bedeutet Tausend Jahre und wird durch allgemeinen Gebrauch als Name für die in Offb. 20:4 erwähnte Periode, die tausend Jahre der Herrschaft Christi, das erste Zeitalter der „zukünftigen Welt“, benutzt. Während des Millenniums-Zeitalters soll eine Wiederherstellung aller Dinge, welche durch den Fall Adams verloren gingen, stattfinden (Apg. 3:19-21), und vor seinem Ende sollen alle Tränen abgewischt sein. Über dasselbe hinaus, in den glückseligen Zeitaltern, die dann folgen, soll kein Tod mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz. Das Erste ist vergangen (Offb. 21:4). Gottes Offenbarungen gehen nicht weiter, darum machen wir hier Halt.

Wir haben hier nur auf die äußeren Umrisse dieses Planes der Zeitalter einen Blick geworfen. Je mehr wir untersuchen, desto mehr werden wir in demselben vollkommene Harmonie, Schönheit und Ordnung finden. Jedes Zeitalter hat seinen Teil zu vollführen, notwendig zur vollständigen Entfaltung des Planes Gottes als Ganzes. Der Plan ist ein voranschreitender, allmählich von Zeitalter zu Zeitalter sich entfaltender, hinauf und hinaus zur herrlichen Vollendung des ursprünglichen Entwurfes des göttlichen Baumeisters, „der alle Dinge wirkt nach dem Rate seines Willens!“ (Eph. 1:11). Nicht eine dieser großen Perioden, Heilszeitordnungen, ist eine Stunde zu lang oder zu kurz zur Erfüllung ihrer Aufgabe. Gott ist ein weiser Haushalter, sowohl was Zeit als auch Mittel betrifft, obwohl seine Hilfsquellen unermesslich sind und keine Macht, wäre sie noch so heimtückisch, kann seine Ratschlüsse auf einen Augenblick verzögern oder durchkreuzen. Alle Dinge, böse wie gute, müssen unter göttlicher Aufsicht zur Erfüllung seines Willens zusammenwirken.

Einem nicht unterrichteten und ungeübten Verstand, der nur ein klein wenig von der verwickelten Maschinerie gewahrt, kommt Gottes Plan wie Gesetzlosigkeit, Verwirrung und ein Fehlschlag vor, gerade wie einem Kinde ein Teil oder selbst das Ganze einer kunstvoll zusammengesetzten Maschine erscheinen würde. Seinem unreifen und nicht angeleiteten Verstand ist sie unbegreiflich, und die entgegengesetzten Bewegungen ihrer Räder und Riemen sind ihm nur Verwirrung. Aber reifere Anschauung und Untersuchungen würden zeigen, dass die scheinbare Verwirrung herrliche Harmonie ist, die nur Gutes schafft. Die Maschine war aber so wahrhaftig vorher, ehe das Kind ihre Wirksamkeit verstand, ein Meisterwerk, wie nachher. So hat die Menschheit, während Gottes Plan Zeitalter hindurch in erfolgreicher Wirksamkeit war, die nötige Unterweisung empfangen, nicht nur das verwickelte Arbeiten desselben verstehen zu können, sondern auch seine segensreichen Ergebnisse kennen zulernen.

Beim Fortsetzen unseres Studiums des göttlichen Planes ist es wesentlich, dass wir diese Zeitalter und ihre bezüglichen Besonderheiten und Aufgaben im Auge behalten; denn in keinem Zeitalter für sich allein kann der Plan gesehen werden, sondern nur in allen zusammen; gerade wie ein Glied nicht die Kette ist, sondern mehrere zusammen verbundene Glieder erst eine Kette bilden. Eine richtige Anschauung über den ganzen Plan erhält man, wenn man die unterscheidenden Merkmale jedes Teiles sich anmerkt; auf diese Weise wird man befähigt, „das Wort der Wahrheit recht zu teilen.“

Eine Aussage des Wortes, die zu einem Zeitalter oder einer Heilszeitordnung gehört, sollte nicht auf andere angewendet werden, da Dinge, die von einem Zeitalter berichtet werden, nicht immer von einem anderen wahr sind. Es würde z.B. eine Unwahrheit sein, von der gegenwärtigen Zeit zu sagen, dass die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllt, oder, dass es jetzt nicht mehr nötig sei, zu seinem Nachbarn zu sagen: Erkenne den Herrn (Jes. 11:9; Jer. 31:34). Das ist in diesem Zeitalter nicht wahr und kann nicht wahr werden, bis der Herr wiedergekommen ist und sein Königreich aufgerichtet hat; denn durch dieses ganze Zeitalter hindurch haben viele irreführende Irrlehren geherrscht, und es ist uns gerade vom eigentlichen Ende gesagt: „In den letzen Tagen … böse Menschen aber und Verführer werden im Bösen fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden.“ (2. Tim. 3:1, 13) Es wird die Frucht der Herrschaft des Messias während jenes Millenniums-Zeitalters sein, dass Erkenntnis und Gerechtigkeit die Erde wie Wasser den Meeresgrund bedecken sollen.

Ein ähnlicher Missgriff, und ein ziemlich allgemeiner, ist die Annahme, dass Gottes Königreich jetzt schon aufgerichtet sei und die Erde beherrsche und dass sein Wille jetzt unter den Völkern geschehe. Das ist offenbar weit von der Wahrheit entfernt; denn die Reiche dieser Welt werden durch Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Betrug in so großem Umfang unterhalten und vergrößert, als die wachsende Bildung des Volkes irgend zulässt. Satan, der gegenwärtige „Fürst dieser Welt“, muss erst abgesetzt und diese jetzt unter seiner Kontrolle oder Herrschaft stehenden Reiche müssen die Reiche unseres Herrn und seines Gesalbten werden, wenn er an sich nehmen wird seine große Gewalt, um zu „herrschen“.

Durch das Licht, das jetzt für die Hausgenossen des Glaubens an der Zeit ist, erkennen wir die zusammenhängende Ordnung, welche die majestätischen Schritte unseres Gottes durch die verflossenen Zeitalter hindurch kennzeichnet; und unwillkürlich müssen wir der schönen Zeilen Cowpers gedenken, geschrieben im Geist lebendigen Glaubens, der da vertraut, wo er dem allmächtigen Jehova nicht folgen kann.


Es ist ein köstlich Ding
Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken,
Lobsingen deinem Namen, höchster Gott;
Denn deine große Treu‘ kann nimmer wanken,
Du stehst uns bei in jeder Zeit der Not.
Es ist ein köstlich Ding, den Herrn loben,
Ja, lieblich schön klingt’s vor des Höchsten Thron.
Drob freuen sich die heil’gen Engel droben
Und unserm Herzen ist’s der schönste Lohn.
Es ist ein köstlich Ding, geduldig warten
Auf die verheißne Hilfe unseres Herrn,
Und köstlich, in der Jugend Rosengarten
Das Joch des Herrn zu tragen froh und gern.
Es ist ein köstlich Ding, das Herz zu stählen
In Festigkeit, unwandelbarer Treu,
Und Huld und Gnade wird uns nimmer fehlen
Des, der da sprach: „Ich mache alles neu!“